Kapitän zur See – Wolfgang Lüth

Wolfgang Lüth (* 15. Oktober 1913 in Riga; † 14. Mai 1945 in Flensburg) war Träger einer der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnungen, dem „Eichenlaub mit Schwertern und Brillianten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes“, welche nur zweimal an Offiziere der Kriegsmarine verliehen wurde.

Wolfgang Lüth (1913-1945)

……….

Ausbildung

Wolfgang Lüth absolvierte in Riga das Naturwissenschaftliche Gymnasium, legte sein Abitur ab und studierte am Herder–Institut drei Semester Rechtswissenschaft. Da es aber sein sehnlichster Wunsch war, zur See zu fahren, trat er am 1. April 1933 als Offiziersanwärter in die Reichsmarine ein. Seine infanteristische Grundausbildung erhielt er bei der, für ihre besonders harte Ausbildung bekannten 1. Schiffss-Stammabteilung in Stralsund/Dänholm. Nach der Grundausbildung folgte ein Kommando auf dem Segelschulschiff Gorch Fock. Hier wurde er zum Seekadetten befördert. Später diente er auf dem Kreuzer „Karlsruhe“, mit dem er eine Weltreise absolvierte. Seine Seeoffiziershauptprüfung legte er auf der Marineschule Mürwick ab, und wurde am 1. Oktober 1936 zum Leutnant zur See befördert.

Die im Aufbau befindliche U-Bootwaffe übte auf Lüth einen besonderen Reiz aus, da dort nur die fähigsten Offiziere und Mannschaften aufgenommen wurden. Im Herbst 1937 meldete er sich zur U–Bootwaffe, die sich später als seine Berufung herausstellen sollte, wurde er doch einer der erfolgreichsten Kommandanten, die diese Waffe hervorgebracht hat und zählte somit zu Recht zu den so bezeichneten „Assen der Tiefe“ .

Am 1. Juni 1938 wurde er zum Oberleutnant zur See befördert und fuhr auf verschiedenen U–Booten als 1. Wachoffizier und stellvertretender Kommandant.

Zweiter Weltkrieg

Sein erstes Kommando über ein eigenes U–Boot erhielt er im Dezember 1939. Mit U-9, einem Boot des Typs II B mit 250 Tonnen Wasserverdrängung (in der U–Bootwaffe „Einbaum“ genannt, da es für die Mannschaft räumlich sehr beengt war und nur 6 Torpedos mitführen konnte) versenkte er auf fünf Feindfahrten in der Irischen See und bei den Faröer-Inseln 16.669 BRT britischen Schiffsraums. Bei einem Sonderunternehmen im Rahmen der Operation Weserübung, der überraschenden Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht, sollte er mit anderen U–Booten die Überfahrt deutscher Kriegsschiffe nach Norwegen sichern. Dabei gelang ihm die Torpedierung eines britischen Zerstörers und die Versenkung eines feindlichen U–Bootes.

Nach diesem Einsatz übernahm er U-138, ein II D – Boot, mit dem er bis zum 25. September 1940 im Nordatlantik an den britischen Nachschublinien operierte. An nur 27 Seetagen versenkte er 39.971 BRT feindlichen Schiffsraum und erhielt dafür am 24. Oktober 1940 das Ritterkreuz. Als Kommandant von U-43, einem IX D – Boot mit 1.050 BRT, ging Lüth in der Zeit von November 1940 bis Februar 1942 im Nordatlantik auf insgesamt sechs Feindfahrten und versenkte dabei 54.795 BRT. Am 9. Mai 1942 übernahm er dann U-181, ein Boot vom Typ IX D 2. Der Befehlshaber der U–Boote Admiral Dönitz und sein Operationschef Admiral Godt hatten für den unerschrockenen Kommandanten eine Sonderroute festgelegt: Südafrika und Indischer Ozean. Lüth wusste, welche Strapazen und Beschwernisse diese Fahrt mit sich bringen würde. Ungewohntes Klima, Tausende Seemeilen vom Heimathafen und den Stützpunkten der Kriegsmarine entfernt, bei Havarien der See ausgeliefert. Nur zu festgelegten Zeiten konnten Treibstoff und Torpedos durch einen U–Tanker ergänzt werden. Alles in Allem ein Unternehmen, das besonderen Mut und herausragende Fähigkeiten von Kommandant und Besatzung erforderten.

In 128 Seetagen vernichtete Lüth 12 feindliche Schiffe mit 58.381 BRT. Dafür erhielt Kapitänleutnant Wolfgang Lüth am 17. November 1942 das Eichenlaub. Am 23. März 1943 ging U-181 zu neuer Feindfahrt in See und zwar in das gleiche Operationsgebiet im Indischen Ozean, nur dass die Abwehr der britischen und vs-amerikanischen Kriegsmarine erheblich zugenommen hatte. Während dieser Feindfahrt wurde Kapitänleutnant Lüth am 1. April 1943 zum Korvettenkapitän befördert, erhielt am 15. April die Schwerter und am 11. August die Brillanten zum Ritterkreuz. Erst am 14. Oktober 1943 kehrte U–181 in seinen Heimatstützpunkt St. Nazaire zurück. In 205 Seetagen vernichtete Korvettenkapitän Lüth 103.712 BRT feindlichen Schiffsraum und absolvierte damit die insgesamt zweitlängste Feindfahrt des gesamten Krieges. Damit war sein Einsatz als aktiver Frontkommandant beendet, denn eine persönliche Weisung des Oberbefehlshabers der Wehrmacht, des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, verbot den Fronteinsatz von Brillantträgern.

Am 15. Januar 1944 übernahm Wolfgang Lüth die 22. U–Bootflottille in Gotenhafen als Flottillenchef und wurde am 1. August zum Fregattenkapitän befördert und an die Marineschule Flensburg–Mürvik versetzt, wo er die 1. Abteilung als Kommandeur übernahm. Unermüdlich widmete er sich der Ausbildung des Offiziersnachwuchses, der von seinen reichen Erfahrungen als Frontkommandant lernte. Am 1. September wurde er zum Kapitän zur See befördert und am 18. September erfolgte die Ernennung, mit 31 Jahren, zum Kommandeur der Marineschule. Bis dahin war dieses Kommando immer einem Admiral vorbehalten. Mit dieser einmaligen Bevorzugung wurde die Absicht von Großadmiral Dönitz deutlich, diesem hervorragenden Offizier den Weg in die Führungsspitze der Kriegsmarine zu ebnen.

Tod

Am 14. Mai 1945 überquerte Lüth das Marineschulgelände bei Dunkelheit. Die Sorgen um das künftige Schicksal der Heimat und seiner Kameraden beschäftigten ihn so intensiv, dass er den Anruf des Wachtpostens überhörte. Der letzte scharfe Schuss des Krieges aus einer deutschen Waffe beendete in diesen chaotischen Tagen das Leben eines Offiziers, der den Tod an den Fronten des Meeres hundertfach besiegt hatte. So endete das Ringen der Atlantikschlacht mit einem tragischen Irrtum. Auf dem Boden seiner besiegten, zertrümmerten Heimat wurde Wolfgang Lüths Leben ausgelöscht.

Am 16. Mai 1945 fand die Trauerfeier statt, der Sarg von Wolfgang Lüth wurde in der Aula der Marineschule aufgebahrt. Sechs Ritterkreuzträger der U-Bootwaffe hielten mit gezogenem Degen die Ehrenwache. Großadmiral Dönitz hielt die Trauerrede, dann trugen U-Bootkommandanten den Sarg zum Friedhof der Gemeinde Adelby. Der Kommandant von U-333 Ali Cremer  kommandierte den Ehrensalut. Zum letzten Mal wurde für einen Offizier der Kriegsmarine der letzte Gruß geschossen. Erst 30 Jahre später, endlich im Mai 1975, widmete die Bundesmarine dem Kapitän zur See “Lüth” einen Gedenkstein.

Auszeichnungen

  • Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse
    • II. Klasse am 25. Januar 1940
    • I. Klasse am 15. Mai 1940
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten
    • Ritterkreuz am 24. Oktober 1940 als Oberleutnant zur See und Kommandant von U-138
    • Eichenlaub am 17. November 1942 (142. Verleihung) als Kapitänleutnant und Kommandant von U-181
    • Schwerter am 15. April 1943 (29. Verleihung) als Korvettenkapitän und Kommandant von U-181
    • Brillanten am 11. August 1943 (7. Verleihung) als Korvettenkapitän und Kommandant von U-181

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s