Tacitus´Germania – Was dachten die Römer über uns Germanen?

Um die Germania richtig verstehen zu können, ist es unumgänglich, Tacitus’ Beweggründe zu kennen. Will er an seiner Zeit und Gesellschaft Kritik üben oder Überlegenheit beweisen? Will er lediglich ein fremdes Volk beschreiben und seinen römischen Zeitgenossen näher bringen, was ihnen selbst fremd und barbarisch erscheint? Dies zu verstehen ist Grundlage für die Bewertung seiner Arbeit.

Tacitus selbst äußert sich dazu jedoch nicht. Auch existiert zur Germania keine Einleitung oder ein Nachwort des Autors, in denen mögliche Absichten erläutert oder zumindest angedeutet werden. Die Forschung kann also nur vergleichbare Werke heranziehen (auch heutige Ethnographien) und/oder die Schrift im Kontext ihrer damaligen Zeit sehen. Tacitus’ Germania ist leider einzigartig für ihre Zeit. Antike ethnographische Schriften, die keine weitere Erläuterung (Exkurs) enthalten, sind uns nicht bekannt, was die Klärung dieser zentralen Frage erschwert. Die Wissenschaft zieht deswegen auch Tacitus’ andere Werke, hauptsächlich den Agricola, heran. Das Werk im Kontext seiner Zeit zu sehen wird dadurch erschwert, dass wir nicht viel über die damalige öffentliche Meinung wissen.

In der Forschung ist die Frage nach den Absichten Tacitus’ ein zentraler Punkt und stark umstritten. Einige Theorien dominieren diese Diskussion, können aber vermutlich nie vollständig veri- oder falsifiziert werden. Möglich ist, dass alle zu einem gewissen Teil ihre Berechtigung haben.

Tacitus beschreibt seiner Leserschaft ein Volk, das sich anscheinend grundlegend von dem eigenen unterscheidet. Es ist anzunehmen, dass das Objekt seiner Beschreibung, die Germanen, dem römischen Volk äußerst fremd vorgekommen sein müsste, hätte er sich dabei nicht der Methode bedient, das Fremde „begrifflich und inhaltlich in die eigene Welt zu integrieren”. Diese römische Interpretation (Interpretatio Romana) fällt besonders bei der Beschreibung der germanischen Götter auf. So spricht Tacitus von Merkur (für Odin) als dem höchsten Gott und erwähnt Herkules (für Thor) und Mars (für Tyr). Auch bei der Beschreibung des Heerwesens (hier die Truppeneinteilung in Hundertschaften/Centurien) sowie der Trennung von Öffentlicher Sache (res publica) und Privatangelegenheiten (res privatae) ist dies erkennbar.

Tacitus sieht alle Germanen als ursprünglich an, d.h. alle haben dieselbe Herkunft und sind nicht mit anderen Völkern vermischt und seien auch nicht nach Germanien eingewandert. Charakterzüge, die er im allgemeinen Teil dem gesamten Volk zuschreibt, führt er auf diese gemeinsame Herkunft zurück. Das kann Tacitus allerdings nicht belegen, er geht schlicht davon aus, dass kein Volk freiwillig in dieses karge Land gezogen sein könnte, um sich mit den Germanen zu vermischen.

In der ganzen Germania ist erkennbar, dass er das Bekannte seiner Welt in der Welt der Germanen sucht, um es für sein römisches Publikum zu beschreiben und zu vergleichen. Das durchaus polarisierende Bild, das Tacitus dabei gibt (ehrenwerte Sitten, Freiheitsliebe und Moral versus primitive, lasterhafte und faule Lebensweise), lässt den heutigen Leser auch einen Eindruck der römischen Gesellschaft zu Zeiten Tacitus’ erahnen. Insofern kann die Germania nicht nur als Ethnographie der Germanen gesehen werden, sondern auch als Anhaltspunkt für das Verständnis von Tacitus’ eigener, römischen Gesellschaft.

5 Gedanken zu “Tacitus´Germania – Was dachten die Römer über uns Germanen?

  1. Tacitus über die Germanen – deutsche Übersetzung aus dem Original

    … ein paar Zitate aus der „Germania“ von Tacitus zusammengestellt, die den Charakter und die Lebensweise betreffen

    „Die Einwohner und ihre Urgeschichte“

    Die Germanen selbst möchte ich für Ureinwohner halten und durchaus nicht durch die Einwanderung und den Aufenthalt anderer Völkerschaften vermischt, weil einerseits in alter Zeit nicht zu Land, sondern auf Flotten diejenigen ankamen, die ihre Wohnsitze zu verändern suchten, und dann weil das unermessliche und sozusagen widerwärtige Weltmeer jenseits nur selten von unserem Erdkreis aus zu Schiff besucht wird. Wer hätte ferner, ganz abgesehen von der Gefährlichkeit eines unwirtlichen und unbekannten Meeres, Asien, Afrika oder Italien verlassen sollen – um nach Germanien zu ziehen, in das wüste Land mit rauem Himmel, abschreckend für den Anbau und den Anblick, – außer wenn man es zum Vaterland hat?

    „Das körperliche Aussehen der Germanen“

    Ich selbst trete deren Meinung bei, die glauben, dass die Völkerschaften Germaniens, ohne je durch eheliche Verbindungen mit anderen Stämmen fremdartige Bestandteile in sich aufgenommen zu haben, ein eigenständiges, reines, nur sich selbst ähnliches Volk geworden sind. Daher ist auch die Körperbeschaffenheit trotz der großen Menschenzahl bei allen die gleiche: blaue Augen mit wildem Ausdruck, rötliches Haar, hochgewachsene und nur für den Angriff starke Leiber; für Mühsal und Arbeiten haben sie nicht in dem selben Maß Ausdauer, und am wenigsten ertragen sie Durst und Hitze. An Kälte und Hunger haben sie sich infolge Klima oder Boden gewöhnt.“

    „Boden und Erzeugnisse“

    … hinreichend ertragreich, für Fruchtbäume ungeeignet, an Vieh reich, aber meistens kleinwüchsig; selbst den Rindern mangelt ihre eigentümliche Auszeichnung und der Schmuck ihrer Stirn; die Zahl ist es, die ihre Freude ausmacht, und dies ist ihr einziger und liebster Reichtum. Silber und Gold haben ihnen die Götter versagt, – ob aus Gnade oder Zorn, ist mir zweifelhaft. Doch möchte ich nicht mit Bestimmtheit behaupten, dass in Germanien keine Ader Silber oder Gold hervorbringt; denn wer hätte dem nachgespürt? Auf seinen Besitz und Gebrauch legen sie keinen besonderen Wert. Man kann bei ihnen silberne Gefäße sehen, die ihre Gesandten und Fürsten zum Geschenk bekommen haben und nicht höher geachtet werden als die irdenen. Doch haben die uns Nächsten wegen des Handelsverkehrs Gold und Silber schätzen gelernt, erkennen einige Sorten unseres Geldes an und nehmen sie mit Vorliebe; die weiter innen haben einfacher und altertümlicher noch den Tauschhandel. Beim Geld loben sie das alte und lang bekannte, Serraten und Bigaten. Auch sind sie auf Silber mehr aus als auf Gold, nicht aus innerer Neigung, sondern weil die größere Zahl der Silbermünzen leichter zu gebrauchen ist für Leute, die allerlei und wenig Wertvolles kaufen.“

    „Fürsten, Heerführer, Priester“

    „Die Könige nehmen sie nach ihrem Adel, die Heerführer nach der Tapferkeit.Auch die Könige haben keine schrankenlose und willkürliche Gewalt, und die Heerführer gewinnen ihre ausgezeichnete Stellung mehr durch ihr Vorbild als durch Befehlsgewalt, durch die Bewunderung, die sie einflößen, wenn sie entschlossen sind, wenn sie sich hervortun, wenn sie Vorkämpfer sind. Übrigens hat weder zum Strafen, noch zum Binden, noch auch zum Züchtigen irgend jemand die Befugnis außer den Priestern, und auch diese nicht wie zur Strafe oder auf des Anführers Geheiß, sondern gleichsam auf Befehl des Gottes, …“

    „Achtung vor den Frauen“

    Man erzählt Beispiele, dass Schlachtreihen, die schon wankten und halb geworfen waren, von den Frauen, dadurch wieder hergestellt wurden, dass sie beharrlich flehten, sich mit ihrer Brust entgegenwarfen und auf die ihnen nunmehr drohende Gefangenschaft hinwiesen, die sie für ihre Frauen mit noch viel größerer Unruhe fürchteten, so dass ein besonders wirksames Mittel, eine Gemeinde zu verpflichten, ist, wenn man ihr unter den Geiseln auch edle Jungfrauen abverlangt. Ja sie legen ihnen sogar eine gewisse Heiligkeit und einen Blick in die Zukunft bei und weisen weder ihre Ratschläge zurück noch missachten sie ihre Aussprüche.“

    Und was ist aus Mann und Frau geworden? Welchen Wert hat heute noch Treue und Ehe? Für Tacitus das lobenswerteste bei den Germanen:

    „Die Ehe“

    Gleichwohl sind die Ehen dort streng und keine Seite ihrer Sitten möchte man unbedingter loben. Denn sie sind fast die einzigen unter den unzivilisierten Völkern, die sich mit einer Frau begnügen, ganz wenige ausgenommen, die sich nicht aus Sinnlichkeit, sondern ihres Adels wegen mit sehr vielen Heiratsanträgen umworben sehen. …
    … sie prüfen die Geschenke, die weder mit Rücksicht auf weibliche Liebhabereien ausgesucht sind noch um der Neuvermählten zum Schmuck zu dienen, sondern Rinder und ein gezäumtes Pferd und einen Schild samt Frame und Schwert. Auf diese Geschenke hin wird die Gattin in Empfang genommen und bringt ihrerseits selbst auch dem Mann irgend etwas an Waffen zu. Das betrachten sie als stärkstes Band, dies als geheimnisvolle Weihen, darunter verstehen sie die Götter des Ehebundes. Damit die Frau mutige Taten nicht außerhalb ihres Gedankenkreises und sich den Wechselfällen des Krieges enthoben glaubt, wird sie gleich durch die Eingangsfeier des beginnenden Ehestandes daran erinnert, dass sie als Gefährtin der Mühsale und Gefahren eintrete, um im Frieden wie auf dem Schlachtfeld Schicksal und Wagnisse zu teilen. Dies sagt ihr das Joch Ochsen, dies das aufgeschirrte Ross, dies die überreichten Waffen. So habe sie zu leben, so zu sterben; sie empfange, was sie unentweiht und in Ehren auf ihre Kinder bringen, was ihre Schwiegertöchter empfangen und wiederum auf ihre Enkel übergehen solle.“

    „Treue in der Ehe“

    So leben sie denn in den Schranken der Sittsamkeit, durch keine lüsternen Schauspiele, keine verführerischen Gelage verdorben. Auf die Heimlichkeiten von Briefen verstehen sich Männer wie Frauen gleich wenig. Fälle von Ehebruch sind bei dem so zahlreichen Volk eine große Seltenheit. Seine Bestrafung erfolgt auf der Stelle und ist dem Gatten überlassen. Mit abgeschnittenen Haaren, entkleidet, stößt sie der Gatte in Gegenwart der Verwandten aus dem Haus und treibt sie mit Schlägen durch das Dorf. Denn die Preisgabe der Keuschheit findet keine Nachsicht: nicht durch Schönheit, nicht durch Jugend, nicht durch Reichtum fände sie einen Mann. Denn niemand lacht da über die Laster und verführen und sich verführen lassen heißt nicht Zeitgeist. Noch besser freilich steht es bisher bei den Stämmen, bei denen nur Jungfrauen heiraten und es mit der Hoffnung und dem Wunsch der Gattin ein für alle Mal abgetan ist. So erhalten sie einen Gatten, ebenso wie einen Leib und ein Leben, auf dass kein Gedanke darüber hinausreiche, sich kein Verlangen weiter erstrecke, damit ihre Liebe nicht dem Gatten, sondern der Ehe gelte. Die Zahl seiner Kinder fest zu begrenzen und eines der nachgeborenen zu töten gilt als schandbar; und mehr vermögen dort die guten Sitten als anderswo gute Gesetze.“

    „Götterverehrung“

    „Übrigens finden sie es der Größe der Himmlischen nicht angemessen, die Götter in Tempelwände zu bannen oder sie irgendwie menschlichen Zügen ähnlich darzustellen. Haine und Waldtriften betrachten sie als heilig und bezeichnen mit dem Namen Gottheit jenes Geheimnisvolle Etwas, das sie einzig mit dem Auge der Andacht schauen.“

    (Einschub: Tacitus konnte die Religion der Germanen nicht fassen. So nannte er ihre Götter nach den ihm bekannten Göttern, was natürlich falsch ist. Er schreibt, es wäre nicht angemessen, die Götter mit menschlichen Zügen darzustellen, was ja angesichts der Götterwelt der Germanen Unsinn ist. Er wusste auch nichts von Allvater, der über Allem steht und dem man sich nicht ungebeten bsw. durch Gebete näherte. Dieser durfte nicht mit menschlichen Zügen dargestellt werden, die anderen waren praktisch nur menschliche Züge, zu denen man sich je nach Charakter durch Anrufung des jeweiligen Gottes bekannte. Zum besseren Verständnis sei noch darauf hingewiesen, dass in den guten alten Zeiten Gott immer sächlich war, abgeleitet von „das Gute“. Die Götter waren damit einfach die Guten.)

    „Sklaven“

    Die anderen Knechte verwenden sie nicht nach unserer Weise, so dass die Dienstleistungen planmäßig unter das Gesinde verteilt wären:Jeder leitet selbst seinen Hof und sein Haus; der Herr erlegt ihm, wie einem Pächter, ein bestimmtes Maß von Getreide, Vieh oder Kleidung auf und nur so weit ist der Knecht abhängig. Die übrigen häuslichen Dienstleistungen besorgen die Frau und die Kinder. Peitschen eines Knechtes und seine Züchtigung durch Fesseln und Arbeit ist eine Seltenheit. Seine Tötung kommt vor, aber nicht infolge von Zucht und Strenge, sondern aus Erregung und Zorn, wie einem Feind gegenüber, nur dass es ungestraft bleibt.“

    „Geldwirtschaft

    Mit Kapital zu wuchern und durch Zinsen zu vermehren ist unbekannt; …“

    PS: DV, Ich würde Dich mal persönlich anschreiben, es gibt aber leider keine Kontakt-Funktion😉
    Was ich Dir zu sagen hätte, möchte ich nicht auf dem Blog schreiben.

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  2. Über die Ehe bei den Germanen

    Die germanische Ehe als innere Gemeinschaft PDF Drucke

    Geschrieben von: Dr. Ulrike Garbe

    Der Sinn der Ehe wird im nordisch-germanischen Menschentum als eine seelische Beziehung zwischen Mann und Weib erfaßt. Die körperliche Zusammengehörigkeit ist nicht das Entscheidende, sie bildet nur die naturgegebene Grundlage solcher inneren Verbundenheit. Diese verinnerlichte Auffassung ist bedingt durch die Wesensart des germanischen Menschen, die – bei aller Bejahung des Leibes und der Werte des Diesseits – den eigentlichen Sinn des Daseins stets auf das Geistige bezieht, für die ein Werterleben nur in der Sphäre des Geistigen denkbar ist.

    „Der Körper ist dem Germanen nur ein Teil der Seele“ , sagt der dänische Altertumsforscher Grönbech. So wird dem Germanen die Ehe zum seelischen Einssein, zur Lebens- und Schicksalsgemeinschaft zwischen Mann und Weib. Diese Auffassung galt schon im frühen Germanentum; sie ist altes, nordisch-germanisches Erbgut und nicht, wie von kirchlicher Seite behauptet worden ist, erst mit der Bekehrung zum Christentum bei den Germanen eingeführt worden. Unwiderlegbar bewiesen wird dieser Sachverhalt durch die Berichte der maßgebenden Quellen, vor allem des Tacitus und der Isländersagas. (Wer sich vollständig über diese Frage unterrichten will, lese Gustav Reckels kleine Schrift ,,Liebe und Ehe bei den vorchristlichen Germanen.“)

    In unmittelbarem Zusammenhang mit solcher Auffassung des Begriffs der Ehe steht die hohe Achtung, die im Germanentum von jeher der Frau zuteil wurde. Tacitus berichtet, wie die jungvermählte Frau durch die Morgengaben, die sie von ihrem Gatten erhielt – Waffen und ein aufgezäumtes Roß -, darauf hingewiesen wurde, daß sie Gefährtin seiner Kämpfe und Mühen sei, daß sie in Glück und Unglück mit ihm das gleiche Los zu teilen bestimmt sei. Er berichtet, wie die germanischen Krieger ihre Wunden zu den Gattinnen und Müttern trugen, wie diese den Männern, neben Wartung und Pflege, auch Zuspruch und Ermutigung, im Kampfe auszuharren, boten. Ein solches Hineinziehen der Frau in den Lebenskreis des Mannes setzt volle Anerkennung ihrer geistigen und sittlichen Gleichwertigkeit voraus. Die Sagas bestätigen diese Schilderung, die Tacitus von der Stellung der Frau, von der Auffassung der Ehe als engster Schicksalsverbundenheit der Gatten gibt, durchaus. Auch hier ist die Frau die dem Manne an inneren Werten ebenbürtige Lebensgefährtin. In Not und Kampf bewährt sie ihre eheliche Treue am stärksten, bewährt sich die Zusammengehörigkeit von Mann und Frau als unlösbare Einheit. Tief ergreifend wird ein solches Zusammenstehen der Gatten geschildert in der Saga von Gisli, dem Geächteten, und seinem Weibe Aud. In selbstverständlicher Treue harrt Aud bei Gisli aus in der Not und Einsamkeit seines Ächterdaseins, jede Versuchung zum Verrat ohne Wanken von sich weisend. Dieselbe Treue bewährt in der Njalssaga die alte Bergthora, die freiwillig das Todesschicksal ihres Gatten teilt; hat sie ihm doch bei der Eheschließung gelobt, ein und dasselbe Schicksal solle sie beide treffen.

    Auch im weiteren Verlauf der Geschichte des germanischen Geistes bleibt diese Auffassung bestehen, daß Ehe gemeinsames Erleben und Tragen aller Sorgen und Mühen bedeute, daß die Frau die Gefährtin des Mannes in guten und schlimmen Tagen sei. Wir finden sie im Wandel der Jahrhunderte bei allen Persönlichkeiten wieder, die ungebrochenes nordisch-germanisches Wesen verkörpern. In Shakespeares Julius Caesar ist eine Szene zwischen Brutus und seiner Gattin Portia bezeichnend für diese Einstellung des germanischen Menschen. Portia bittet Brutus, ihr den Grund seiner sorgenvollen Stimmung zu sagen. Als er ausweicht, dringt sie weiter in ihn:

    ,,Bei jenem großen Schwur, durch welchen wir
    Einander einverleibt und eins nur sind,
    Enthüllt mir, Eurer Hälfte, Eurem Selbst,
    Was Euch bekümmert – – – “

    Nicht sein Weib, nur seine Buhle sei sie, wenn er nicht alles, was ihn bewegt, mit ihr teilen wolle. Und der Mann erkennt den Anspruch der Frau auf Teilnahme an seinem Innenleben voll an. Brutus bricht erschüttert in die Worte aus: ,,Ihr Götter, macht mich wert des edlen Weibes“ und gesteht ihr volles Vertrauen zu.

    Kommt hier der heroische Sinn des nordischen Menschen zum Ausdruck, der – ähnlich, wie es bei den tacite’ischen Germanen der Fall war, – in der Frau die Kampfgefährtin sieht und wertet, so sucht eine mehr der Gemütsinnerlichkeit zugewandte Erlebnisform des germanischen Geistes in der Frau auch die Trägerin warmer Liebesfähigkeit. Diese Liebesfähigkeit muß den Ausgleich herstellen zwischen der – im Kampfe des Berufsdaseins dem Manne vielfach aufgezwungenen – äußeren Härte seines Wesens und einer nach Wärme verlangenden Weichheit seines Innenlebens. In diesem Lichte sieht Bismarck seine Ehe, wenn er seiner Frau schreibt:

    „Ich habe Dich geheiratet, um Dich in Gott nach dem Bedürfnis meines Herzens zu lieben und um in der fremden Welt eine Stelle für mein Herz zu haben, die all ihre dürren Winde nicht erkälten – -;
    – – es gibt nichts, was mir nächst Gottes Barmherzigkeit teurer, lieber und notwendiger ist, als Deine Liebe – – -.“

    Unter den vielen geschichtlichen Persönlichkeiten nordischer Geistesprägung, deren Ehe im Zeichen einer solchen verinnerlichten Einstellung stand, sei vor allem Wilhelm von Humboldt erwähnt. Mit stärkster Überzeugungskraft beweisen seine Briefe an seine Frau, wie die Ehe, die innere Verbundenheit mit einer hochstehenden Frau auch dem Manne Bereicherung, Erhöhung seines Wesens bedeuten kann. Die Frau erscheint hier als die dem nordischen Manne unentbehrliche innere Ergänzung seiner männlichen Daseinsform. Dankerfüllten Herzens spricht Humboldt aus, was er von Caroline empfing. ,,Daß ich eins bin in mir, daß ich bin, wozu ich Anlage hatte zu sein, daß ich Wahrheit sehe, daß ich harmonische Schönheit empfinde, das ist Dein, einzig Dein Werk“ .

    In solcher dem nordisch- germanischen Geiste eigenen Auffassung wird die Ehe zur wertesteigernden Gemeinschaft, zu einer sittlichen Kraftquelle, die ihre Wirkung auf Mann und Weib in gleicher Weise ausstrahlt und das innerste Wesen beider Geschlechter formt und erzieht.

    „Eine Fackel, die Euch zu höhern Wegen leuchten soll“ , nennt Nietzsche die wahre Ehe.

    http://asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=294:die-germanische-ehe-als-innere-gemeinschaft-&catid=19:blog&Itemid=2

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