Die Wahrheit über die Gleiwitzer Senderaffäre

Institut für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung

Hugin Freiherr von Greim

&

Prof. Georg Jaeckel

[Der nachfolgende Text hat eine Formatierung die ich hier bei WordPress noch nicht beseitigen konnte. Ich musste Linien einziehen um Absätze zu schaffen. Es kann vorkommen das vereinzelnt auch mal zwei Wörter anerinander hängen. Ich versuche eine Lösung zu finden um den Text vernünftig erscheinen zu lassen.

Der Text lässt sich jedoch schon jetzt recht gut lesen!]




  • Die Wahrheit über die Gleiwitzer Senderaffäre

Der Überfall auf den Gleiwitzer Sender, der laut heute üblicher Ansicht von der nationalsozialistischen Führung als Anlaß für den Einmarsch der Deutschen in Polen fingiertwurde, hat allem Anschein nach nicht stattgefunden. Die Meldung vom Überfall wurzelteentweder in einem Mißverständnis deutscherseits oder in der Meldung eines polnischenRundfunksenders (möglicherweise sogar des britischen Senders, der im polnischen TeilOberschlesiens stationiert war *).


Eine Falschmeldung durch den polnischen Rundfunk entspräche auch ganz der polnischen Verhaltensrichtung vor Kriegsbeginn. Dieses Verhaltenwar ausgerichtet auf eine ununterbrochen sich steigernde Provozierung der Deutschen, umdiese in einen Krieg zu zwingen. Es gab in den Tagen, Wochen und Monaten vor demKriegsausbruch so viele und so schwerwiegende Provokationen von polnischer Seite, darunter hunderte von Grenzverletzungen durch polnisches Militär und polnische Terrorbanden mitMorden, Feuerüberfällen, Brandschatzungen, Gebäudesprengungen undBrückenzerstörungen, dazu eine sich ständig steigernde Drangsalierung der deutschenMinderheit in Polen mit zahlreichen Morden, Mißhandlungen, Verhaftungen, Enteignungen,Hauszerstörungen, Verfolgungen der evangelischen Kirche, Vertreibungen u.a.m., sodaß esgar nicht erforderlich war, einen Anlaß zum Krieg zu fingieren.Der Krieg war schon da, er war nur noch nicht förmlich erklärt.


Und angefangen hatte ihnoffensichtlich nicht die deutsche, sondern die polnische Seite. Obendrein kam es am 31.August auch noch zur Generalmobilmachung des polnischen Heeres. Das allein kam schoneiner Kriegserklärung gleich. Bei dem angeblichen Überfall auf den Sender Gleiwitz gab esnicht einmal ein Todesopfer unter den Deutschen, hingegen gab es solche Todesopfer beianderen Grenzzwischenfällen an diesem Tage (bei Pfalzdorf und Röhrsdorf) und in den Tagenzuvor (bei Sonnenwalde, Alt-Eiche und Neukrug), außerdem wurden am 31. August der deutsche Konsul in Krakau ermordet, die Eisenbahnbrücke bei Dirschau gesprengt, TeileDanzigs von polnischen Truppen besetzt – nachdem zuvor schon die Nahrungsmittelzufuhr aus Polen nach Danzig unterbunden worden war – und obendrein gab es noch an dutzendenvon Stellen militärische Überfälle in reichsdeutsches Gebiet hinein, während in Polen dieMorde an Deutschen sprunghaft anstiegen, um schließlich in den folgenden Tagen imgezielten, hauptsächlich nach Listen vorgenommenen Massenmord an 40.000 bis 60.000Deutschen zu gipfeln.




Warum also einen Fall fingieren, wo es doch genügend echte Fälle gab, Fälle, die wirklichstattfanden, Fälle von eindeutig kriegsmäßiger Aktivität, mit denen Deutschland gezwungenwerden sollte, endlich militärisch zu reagieren! Die deutsche Regierung bemühte sich zwar seit langem und mit großer Intensität, den Konflikt auf diplomatischem Wege zu überwinden.Doch dieses Bemühen bewirkte keine Abschwächung, sondern nur eine Verschärfung der antideutschen Aktivitäten. Offensichtlich wollte man keine diplomatische, sondern einekriegerische Lösung. Polen hatte dafür die volle Rückendeckung Frankreichs und Englands.Die herrschenden Kreise in Polen, England, Frankreich und die mit ihnen verbundenenüberstaatlichen Machtgruppen wollten ganz einfach das vollenden, was sie mit dem ErstenWeltkriegs und dem Versailler Diktat begonnen hatten: die völlige Zerschlagung Deutschlandsund des deutschen Volkes, die Vernichtung des neuen Karthago. Hierbei erhofften diemaßgebenden Kreise in Polen das, was von ihnen in ungezählten Äußerungen zwischen 1918 bis 1939 immer wieder gefordert worden war: die Ausdehnung Polens bis zur Oder und Neiße. Die chauvinistische Aufhetzung Polens durch katholische, faschistische undfreimaurerische Führer, englische Agenten und deutsche Widerstandskreise, die englischeBlankogarantie, der polnische Korridor, die gewaltsame Entdeutschung Westpreussens,Posens und Oberschlesiens mit den dabei stattfindenden Drangsalierungen, Enteignungen,Gewalttaten – sie waren nichts anderes als das zielstrebig hergerichtete Pulverfaß. Es liegtdarüber Material vor, das Bände füllt. Die damalige Entwicklung wird natürlich von der regierenden Geschichtsschreibung ganz anders dargestellt.




Die Deutschen haben den Kriegverloren, und der Sieger schreibt die Geschichte. Und da sich der Sieger nicht dieWiederauferstehung der Wahrheit und des Rechts, ist seine Geschichtsschreibung (und dieseiner Helfershelfer unter den Deutschen) entsprechend. Doch die Geschichtsschreiber desSiegers mögen erklären, wieso der von ihnen so hochgespielte Fall Gleiwitz mit keinemeinzigen Wort in der Rede erwähnt wird, die Hitler am 1. September 1939 vor dem Reichstaghielt, um dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit darzulegen, warum es zum Krieg mitPolen kam. Ist das nicht höchst seltsam?(* Eine Schlesierin berichtet, daß schon vor dem 31.8.1939 ein englischer Sender auf  polnischem Territorium antideutsche Meldungen sendete. Die Vermutung ist deshalb nichtabwegig, daß die Radiomeldung vom 31.8.1939 von diesem Sender gesendet worden ist)
Der Überfall auf den Gleiwitzer Sender
Wenn die Schuld am deutsch-polnischen Krieg berührt wird, wird als Begründung der deutschen Alleinschuld angeführt, daß ihn Hitler „angezettelt“ habe, indem er einen polnischen Überfall auf den Gleiwitzer Sender fingieren ließ, um als Reaktion darauf Polenüberfallen zu können. Eine Untersuchung dieses Vorfalls durch Gleiwitzer Zeitzeugen zeigt jedoch auf, daß1.ein Überfall von deutscher Seite nicht stattfand,2.daß, falls von deutscher Seite aus einmal ein Überfall geplant gewesen sein sollte, er durch die militärische Entwicklung in Polen längst überholt war, weil Polen selbstdurch eine von ihm betriebene Provokationsstrategie eine deutsche militärischeReaktion laufend herausforderte.
„Von verschiedenen polnischen Gewährsmännern hört man immer wieder die polnische Auffassung über die Erfolgsaussichten in einem zukünftigen Kriege dahingehend, daß Polen‚ den Deutschen zunächst wohl taktische Erfolge zuerkennt, daß sie aber auf weite Sicht das strategische Ziel nicht erreichen werden, genau so, wie sie es im [Ersten] Weltkrieg durchMangel an Rohstoffen nicht erreicht haben.“
So und ähnlich lauteten etliche im Bundesarchiv erhaltene Berichte aus Polen aus dem Jahr 1939, die übrigens auch Material über polnische Offensivabsichten, über Grenzschießereienin Oberschlesien und sogar einen Bericht über die positive Reaktion der polnischenBevölkerung im Grenzgebiet auf die „polnische Besetzung von Gleiwitz“ enthalten.Der Historiker Stefan Scheil schreibt dazu:

„Das später vom Auswärtigen Amt herausgegebene Weißbuch listete dann für die Nacht vom31. August auf den 1. September insgesamt fünf solcher Vorfälle mit Beteiligung polnischer Truppen auf. Der später so berühmt gewordene gefälschte Überfall auf den Sender Gleiwitz gehörte nicht dazu. Er wurde im Weißbuch offiziell als Aktion „polnischer Aufständischer”eingestuft und von der deutschen Regierung nicht als Beweis für einen Angriff polnischer regulärer Truppen herangezogen. (…) Gerade aus dem Umkreis der SS wurde dann gelegentlich behauptet, Hitler habe im Reichstag am 1. September 1939 Gleiwitz erwähnt.Weder er noch das amtliche deutsche Weißbuch sprachen aber, wie bereits gesagt, von einemdortigen Angriff polnischer Truppen, ja nicht einmal der Völkische Beobachter verstieg sich zur Behauptung, es habe dort einen Überfall polnischer Soldaten gegeben.“




  • Zur Geschichte des Gleiwitzer Senders bis zumKriegsausbruch

Auf einem der höchsten Punkte der Stadt Gleiwitz an der Raudener Straße errichtete dieStadtverwaltung im Jahre 1925 gemeinsam mit der Schlesischen Funkstunde AG in Breslaudie oberschlesische Rundfunksendestation. Sie bestand aus einem Verwaltungs- undSendegebäude und zwei 75 Meter hohen Antennenmasten. Im Jahre 1936 entstand im Nordosten (Tarnowitzer Landstraße) der neue Sender mit seinem rund 100 Meter hohenHolzturm. Die Sender standen rund 7 km von der Grenze entfernt. Der alte Sender war außer Betrieb, der neue war Nebensender des Reichssender Breslau und strahlte dessen Programmaus, zeitweise auch regionale Wetter– und Landwirtschaftsnachrichten. Die meisten Hörer hörten das Breslauer Programm. Nur wenige Personen aus Gleiwitz und Umgebung bekundeten später, im Radio plötzlich polnische Stimmen gehört zu haben, die meistenerfuhren erst in den späteren Tagesnachrichten von dem angeblichen Überfall.


1. Im Nürnberger Prozeß und in Massenmedien berichtete später der SS-Sturmbannführer Naujocks von einem Plan, wonach er von SD-Chef Heydrichausersehen worden sei, mit fünf oder sechs ausgesuchten polnisch sprechendenMännern einen Überfall auf den Gleiwitzer Sender vorzutäuschen, weil man einenKriegsgrund gegen Polen brauche. Doch sind die Widersprüche zwischen deneinzelnen Berichten von Naujocks so zahlreich und schwerwiegend, daß diese nichtals wahrheitsgetreue, zuverlässige Unterlagen gelten können.


2. Als Falschmeldung erweist sich auch, daß in den Berichten mehrfach vonSchießereien gesprochen wird, die während des Überfalls geschehen sein sollen.Wegen der zunehmenden Kriegsgefahr baute im Sommer 1939 die Reichswehr dieGrenzwacht auf, eine aus Freiwilligen bestehende paramilitärische Organisation, inder das Offizierskorps von Reserveoffizieren gestellt wurde. Im Raum Gleiwitz wurdemit ihrem Aufbau der Volksschullehrer Otto Radek beauftragt, Oberleutnant d.R.,später Hauptmann d.R. des Weltkriegs 1914/18, und als verantwortlicher Kommandeur eingesetzt. Seit dem 24. August 1939 war die Grenzwacht voll imEinsatz, mit scharfer Munition ausgerüstet und mit dem Objektschutz beauftragt. Der Sender wurde von der 3. Kompanie, Grenzwachtbataillon 1/68 bewacht.


3. Nach dem Bericht von Naujocks stürmte am 31. August 1939 um 20.30 Uhr angeblichsein Kommando in polnischer Uniform schießend in das Gebäude des Senders undüberwältigte das Bedienerpersonal, wobei es im Senderaum zu einer „furchtbarenSchießerei “ gekommen sein soll, bei der Naujocks mehrfach mit der Pistole gegen dieDecke geschossen habe. Dann hätten die Männer „ lautlos, wie sie gekommen waren„, das Gelände des Senders verlassen. Nur ist dies ein reiner Phantasiebericht, weil dasHaus durch eine Wachmannschaft geschützt war, die es vor dem Betreten Unbefugter schützte.


4. Eine ungeklärte Frage ist, wie der Rundfunk dazu kam, ein immerhin wichtigesEreignis zu melden, das gar nicht stattgefunden hatte. Denn der Kommandeur erfuhr von dem Vorfall zu Hause in den Radionachrichten. Darauf ließ er sich in seinemDienstwagen zum Sender fahren. Die Wachmannschaft bis auf einen Posten, der seelenruhig auf und ab schritt, schlief und wußte von nichts. Als der Kommandeur der Wache vorhielt: „Hier ist doch geschossen worden, da müssen doch die Einschüssefeststellbar sein „, konnte er sich überzeugen, daß es im ganzen Hause keineEinschußspur gab. Die Wachmannschaft berichtete allerdings, daß sie einige ss-Männer in Zivil, die sich ordnungsgemäß ausgewiesen hätten, in den Senderaumgelassen hätten, wo sie über ein Wettermikrophon Sprechübungen in Deutsch und Polnisch veranstaltet hätten. Nach wenigen Minuten hätten sie sich aber mit „H. H.“wieder korrekt verabschiedet.


5. Hier war offensichtlich eine Zwecklüge verbreitet worden, nachdem ein irgendwanneinmal erwogenes Unternehmen nicht durchgeführt worden war. Der Kommandeur rief daher vom Sender aus beim Armee-Kommando in Breslau an, das ihn beschied,daß alles in gewellter Ordnung sei. Doch wurde er zu absolutem Schweigenverpflichtet. Dies läßt darauf schließen, daß höheren Orts irgendwann einmal mit demGedanken eines fingierten Überfalls gespielt worden war. Daß am neuen Sender Ruheherrschte, wird durch einen Hitlerjungen und unabhängig davon auch von Bewohnernin der Nachbarschaft bestätigt. Diese waren von Breslauer, durch dieRundfunkmeldung „ganz aufgeregten“ Verwandten angerufen worden und stauntennun wegen der in ihrer Nähe herrschenden Ruhe darüber, daß dort ein Überfall mitSchießerei stattgefunden haben soll.


6. Eine offene Frage ist, wie es im Breslauer Sender zu der falschen Radiomeldung über die Schießerei im Gleiwitzer Sender kam, die den Kommandanten zum Eingreifen imSender Gleiwitz veranlaßten. Otto Radek, der als Kriegsteilnehmer in sechsjährige jugoslawische Kriegsgefangenschaft geriet, von wo er 1951 nach Marbach am Neckar kam, setzte sich 1962 mit seinem Gleiwitzer Landsmann Eberhard von Zalewski inVerbindung, um die Angelegenheit zu klären.




Die „Erklärung“ vor dem ITM im Jahre 1945 von Alfred Naujocks
„…Ich, Alfred Naujocks, mache unter Eid und nach vorherigerEinschwörung folgende Erklärung:

1. Ich war von 1931 bis 19. Oktober 1944 ein Mitglied der SS undvon ihrer Gründung im Jahre 1934 bis Januar 1941 ein Mitglied desSD. Ich diente als Mitglied der Waffen-SS von Februar 1941 bisMitte 1942. Später arbeitete ich in der wirtschaftlichenAbteilung der Militärverwaltung von Belgien von September 1942bis September 1944. Am 19. Oktober ergab ich mich den Alliierten.


2. Ungefähr am l0. August 1939 befahl mir Heydrich, der Chef derSipo und des SD, persönlich, einen Anschlag auf die Radiostationbei Gleiwitz in der Nähe der polnischen Grenze vorzutäuschen undes so erscheinen zu lassen, als wären Polen die Angreifergewesen. Heydrich sagte: „Ein tatsächlicher Beweis für polnischeÜbergriffe ist für die Auslandspresse und für die deutschePropaganda nötig.“ Mir wurde befohlen, mit 5 oder 6 anderen SD-Männern nach Gleiwitz zu fahren, bis ich das Schlüsselwort vonHeydrich erhielt, daß der Anschlag zu unternehmen sei. MeinBefehl lautete, mich der Radiostation zu bemächtigen und sie solange zu halten, als nötig ist, um einem polnisch sprechendenDeutschen die Möglichkeit zu geben, eine polnische Ansprache überdas Radio zu halten. Dieser polnisch sprechende Deutsche wurdemir zur Verfügung gestellt. Heydrich sagte, daß es in der Redeheißen solle, daß die Zeit für eine Auseinandersetzung zwischenPolen und Deutschen gekommen sei und daß die Polen sich zusammentun und jeden Deutschen, der ihnen Widerstand leistet,niederschlagen sollten. Heydrich sagte mir damals auch, daß er Deutschlands Angriff auf Polen in wenigen Tagen erwartete.


3. Ich fuhr nach Gleiwitz und wartete dort 14 Tage. Dann bat ichHeydrich um Erlaubnis, nach Berlin zurückkehren zu dürfen, wurdeaber angewiesen, in Gleiwitz zu bleiben. Zwischen dem 25. und 31.August suchte ich Heinrich Müller, den Chef der Gestapo, auf, dersich damals in der Nähe in Oppeln befand. In meiner Gegenwarterörterte Müller mit einem Mann namens Mehlhorn Pläne für einenGrenzfall, in dem vorgetäuscht werden sollte, daß polnischeSoldaten deutsche Truppen angreifen … Deutsche in der Anzahlvon ungefähr einer Kompanie sollten dazu verwendet werden. Müllersagte, er hätte ungefähr 12 oder 13 verurteilte Verbrecher, denenpolnische Uniformen angezogen werden sollten und deren Leichenauf dem Schauplatz der Vorfälle liegen gelassen werden sollten,um zu zeigen, daß sie im Laufe der Anschläge getötet wordenseien. Für diesen Zweck war für sie eine tödliche Einspritzungvorgesehen, die von einem Doktor gemacht werden sollte, der vonHeydrich angestellt war; dann sollten ihnen auch Schußwundenzugefügt werden. Nachdem der Anschlag beendet war, solltenMitglieder der Presse und andere Leute auf den Schauplatz geführtwerden; weiter sollte ein polizeilicher Bericht angefertigtwerden.


4. Müller sagte mir, daß er von Heydrich Befehl hatte, einendieser Verbrecher mir zur Verfügung zu stellen für meineTätigkeit in Gleiwitz. Das Kennwort, mit dem er diese Verbrechernannte, war „Konserven“.


5. Der Vorfall in Gleiwitz, an dem ich teilnahm, wurde amVorabend des deutschen Angriffs auf Polen ausgeführt. Soweit ichmich erinnere, brach der Krieg am 1. September 1939 aus. AmMittag des 31. August bekam ich von Heydrich per Telephon dasSchlüsselwort, daß der Anschlag um 8.00 Uhr abends desselbenTages zu erfolgen habe. Heydrich sagte: „Um diesen Anschlagauszuführen, melden Sie sich bei Müller wegen der Konserven.“ Ichtat dies und wies Müller an, den Mann in der Nähe derRadiostation an mich abzuliefern. Ich erhielt diesen Mann undließ ihn am Eingang der Station hinlegen. Er war am Leben, abernicht bei Bewußtsein. Ich versuchte, seine Augen zu öffnen. Vonseinen Augen konnte ich nicht feststellen, daß er am Leben war,nur von seinem Atem. Ich sah keine Schußwunden, nur eine MengeBlut über sein ganzes Gesicht verschmiert. Er trug Zivilkleider.


6. Wir nahmen die Radiostation wie befohlen, hielten eine dreioder vier Minuten lange Rede über einen Notsender, schosseneinige Pistolenschüsse ab und verließen den Platz.Beschworen und unterschrieben von Leutnant Martin….“




Die genannte Darstellung von Fest wie die aller anderen Historiker geht allein auf eineeidesstattliche Erklärung Naujocks’ vom 20.November 1945 vor dem US-Leutnant Martinzurück , die beim Nürnberger Prozeß mehrfach herangezogen wurde.Darin schildert Naujocks nach Angaben zur Person – er lief am 19. Oktober 1944 im Westen zu den Alliierten über, nachdem er – was er allerdings verschweigt – vorher strafversetzt, ab1942/43 aus den Listen der SS gestrichen, zur Wehrmacht überstellt war und dannFrontbewährung erhalten hatte -, daß er »ungefähr am 10. August 1939« von Heydrich»persönlich« den Auftrag zu dem Überfall bekommen und sich von da an in Gleiwitzaufgehalten habe. Am Mittag des 31.08. habe er telefonisch von Heydrich das Schlüsselworterhalten, daß der Uberfall um 20 Uhr abends auszuführen sei. Zu seinen fünf bis sechs SD-Männern habe er einen polnisch sprechenden Deutschen zur Verlesung einer polnischenBotschaft im Sender sowie einen bewußtlosen, noch lebenden, im Gesicht blutverschmierten»Verbrecher« in Zivilkleidung erhalten, den er nach dem wenige Minuten dauernden Überfall»am Eingang der Station« habe liegen lassen.Wenn Fest und andere von »mehreren Leichen« sprechen, zum Teil auch von solchen in polnischer Uniform, so ist das bezeichnend, stimmt mit der “Quelle” nicht überein und stelltschon eine Fälschung dar.Entscheidend ist jedoch, daß offensichtlich die ganze Darstellung Naujocks in seiner eidesstattlichen Erklärung falsch und erfunden ist, wie bereits mehrere Untersuchungennahegelegt haben. So ist auffällig und kaum verständlich,




1. daß Naujocks in seiner Erklärung von 1945 seinen SS-Dienstgrad und seine Dienststellungnicht nennt, nicht einmal seine damalige Zugehörigkeit zum Amt VI des SD;


2. daß Heydrich persönlich unter Ausschaltung des gesamten Dienstweges mit Naujocksverkehrt haben und alles nur mündlich und telefonisch erfolgt sein soll, so daß keinerleiPapier darüber


existiert;

3. daß für Naujocks Auswahl durch Heydrich persönliche Gründe entscheidend gewesen seinsollen, die Naujocks – auch später – nie angab;


4. daß keiner von Naujocks Vorgesetzten oder von den örtlichen SDStellen etwas von demVorgang wußte;


5. daß Naujocks keinerlei nähere Ortsbeschreibung je lieferte;


6. daß Naujocks keinen seiner angeblichen Mittäter namentlich nannte;


7. daß Naujocks später zugab, daß seine Mittäter keine SD-Leute der Ämter II und VIgewesen seien, sondern aus verschiedenen Abteilungen der Heydrich-Behörde stammensollten;


8. daß die damalige deutsche Propaganda den Fall “Gleiwitzer Sender” nicht auswertete,Hitler und Goebbels in ihren Reden darauf keinen Bezug nahmen, nicht einmal der VölkischeBeobachter davon etwas erwähnte;


9. daß im deutschen Weißbuch zur Vorgeschichte des Krieges Nr. 1 der Gleiwitzer Fall nur in einer Fußnote, im Weißbuch Nr.2 in nur vier Zeilen als einer von 44 Grenzzwischenfällenseitens der Polen erwähnt wird;


10. daß die polnische Presse diesen Fall damals nicht behandelte und die deutsche Versionnicht richtigstellte;


11. daß die niedere Charge Naujocks den Gestapo-Chef Heinrich Müller »anwies« – so Naujocks – »den Mann (den »Verbrecher«, H.W.) in der Nähe der Radiostation an michabzuliefern«;


12. daß die Beschäftigten am Sender Gleiwitz vor und nach 1945 den »Überfall« ganz andersschildern;


13. daß der zuständige Gleiwitzer Polizeipräsident Schade beim Nürnberger Prozeß nichtgehört wurde, obwohl er von Russen und Amerikanern mehrfach verhört worden war; er wurde dann bald in einem polnischen KZ erschlagen;


14. daß Naujocks zusätzliche Angabe der Erklärung von Müller, »er hätte ungefähr 12 oder 13verurteilte Verbrecher, denen polnische Uniformen angezogen werden sollten und derenLeichen auf dem Schauplatz der Vorfälle liegen gelassen werden sollten, um zu zeigen, daßsie im Laufe der Anschläge getötet worden seien«, nie bestätigt werden konnte, aber alsweitere, Deutschland belastende Behauptung durch die Literatur ging und geht;


15. daß keiner der in Nürnberg 1945 Angeklagten Kenntnis von dem Überfall hatte;


16. daß Naujocks in einem späteren Spiegel-Interview (13.11.1963, S.71) angab, daß der Textdes vorzulesenden Aufrufes von seinen Leuten selbst verfaßt sei, er dafür keine Anweisungerhalten habe, was bei solcher Planung im damaligen Deutschland höchst unwahrscheinlichist, zumal der Kriegsgrundwunsch von Hitler persönlich stammen soll;


17. daß Tatzeugen die von Naujocks angeblich abgegebenen Schüsse nicht gehört haben,


18. daß auch andere von Naujocks angegebene Mordkommandos nie zu beweisen waren;


19. daß Naujocks für diesen Fall von den Alliierten nie belangt wurde, sondern 1945 in dieFreiheit entlassen wurde;


20. daß auch bei Naujocks späterem Wiederauftauchen in der Bundesrepublik Deutschland er nie zur Rechenschaft gezogen wurde.




Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Naujocks 1945 mit anderen Gefangen im US-Intemierungslager Langwasser saß: » Seinen damals dort gleichfalls internierten Kameradenhat er nie eine Andeutung gemacht, daß er mit dem Überfall auf den Gleiwitzer Sender etwaszu tun gehabt habe… Im Lager Langwasser hatte Herr Naujocks eines Tages mit dem IMT-Pfarrer Pater Sixtus eine längere Unterredung. Anschließend erklärte er seinen Kameraden, er werde aus dem Lager herauskommen und nach Südamerika fliehen. Am nächsten Morgen war er verschwunden.«Als seine eidesstaatliche Erklärung vor dem Nürnberger IMT behandelt wurde, galt seinAufenthalt als »unbekannt«. Er wurde beim IMT nicht vernommen. Als er später unter seinemrichtigen Namen wieder in Deutschland auftauchte, wurde er nie verfolgt, nicht bestraft,sondern lebte in überraschend guten Verhältnissen bis zu seinem Tode. Er hat sich wohl – wieHöttl – durch seine Falschaussage mit Belastung Deutschlands Vorteile verschafft.Den wohl endgültigen Beweis dafür, daß Naujocks den wesentlichen Inhalt der eidesstattlichen Erklärung erfunden oder gegen Zusicherung von Leben und Freiheit freiErfundenes unterschrieben hat, liefert folgende, erst kürzlich durch Veröffentlichung einesBuches bekannt gewordene Tatsache:Ende der fünfziger Jahre lebte Naujocks in Hamburg als Besitzer mehrerer Häuser undKiesgruben ziemlich wohlhabend. Der als Verfasser mehrerer Bücher hervorgetretene HansWemer Woltersdorf lernte ihn über einen seiner Mieter kennen und hatte dann ein Gesprächmit ihm: »Im Jahre 1959 besuchte er (Naujocks, der Verfasser .) mich. Wir aßen zu viertgemeinsam zu Mittag. Es stellte sich bald heraus, daß er der Alfred Naujocks war, der mitdem Gleiwitzer Sender zu tun hatte… Wir kamen auf die Sache mit dem Sender Gleiwitz zusprechen. Er wartete zurückhaltend, was ich davon zu erzählen wußte.




Ich kannte nur dieSchulbuchgeschichte von dem fingierten Überfall auf den Sender Gleiwitz. Er widersprachnicht. Ich sagte ihm, daß in den Nürnberger Prozessen und unzähligen anderenKriegsverbrecherprozessen Tausende von Menschen wegen viel geringerer Vergehenhingerichtet oder lebenslänglich eingesperrt worden seien. Er aber habe nach eigenemEingeständnis eine Anzahl von KZ-Häftlingen ausgewählt und in polnische Uniformengesteckt, wohl wissend, daß keiner von ihnen lebend davonkommen werde. Das seiheimtückisch vorbereiteter Mord. Trotzdem habe man ihm kein Haar gekrümmt. Wie das zuerklären sei, wollte ich wissen.“Sie sehen, daß ich noch lebe”, sagte er, “sogar gut lebe; und das ist für mich dieHauptsache.”« Für Woltersdorf und einen weiteren, jetzt noch lebenden Teilnehmer an diesemGespräch, die der Verfasser (H.W.) beide deswegen besuchte und sprach, war damalseindeutig klar, daß Naujocks mit dieser erpreßten Unterschrift 1945 seine Freiheit erlangt undvielleicht das Leben gerettet hatte und daß nichts von seiner Schilderung in der eidesstattlichen Erklärung der Wahrheit entsprach.Das Interesse der Sieger an einem solchen Geständnis in der damaligen Zeit ist gut zuverstehen. Die Alliierten brauchten im Herbst 1945 solch eine Aussage, um belegen zukönnen, daß Hitler angeblich schon um den 10. August, also Wochen vor Kriegsbeginn undvor dem Deutsch-Sowjetisehen Pakt vom 23. 8. 1939, zum Kriege drängte und »polnischeProvokationen« als Kriegsgrund suchte, daß also alle dokumentierten Friedensbemühungender Reichsregierung nur Vorwand gewesen seien.Die übliche Darstellung, wonach Deutsche mit Schießereien und mindestens einem Toten denSender Gleiwitz 1939 überfallen haben, darf damit wohl als eine weitere Geschichtsfälschung zu Lasten Deutschlands gelten.




Ein solcher Überfall hat offensichtlich gar nicht stattgefunden.Warum der deutsche Sender Breslau eine diesbezügliche Meldung abgab, ist noch ungeklärt.Die Sache scheint sich also so abgespielt zu haben, daß einige SS-Männer unter Vorlage ihresDienstausweises Eintritt in den Sender bekommen haben und dort am Mikrofon eineBotschaft in polnischer Sprache abgesetzt haben.Die ganze Gangstergeschichte mit den mitgebrachten Leichen von KZ-Häftlingen(”Konserven”) in polnischen Uniformen, die man angeblich am Tatort zurückgelassen habe,ist offensichtlich frei erfunden.Zu Naujocks ist zu sagen, daß dieser aufgrund von Aktionen wie der geplanten, aber gescheiterten Entführung des Rundfunkingenieurs Rudolf Formis, der in der Nähe von Prageinen schwarzen Rundfunksender für Otto Strasser betrieb und der bei der Aktion infolgeeines Gerangels, bei dem er versuchte, eine Pistole zu ziehen, von Naujocks erschossen wurde– Heydrich “tobte über die Gangsterfilm-nahe Plumpheit, mit der Sicherheitsdienstler vomSchlage des Naujocks Geheimdienst spielten” (Heinz Höhne, Der Orden unter demTotenkopf, Bindlach 1989, S. 211/212), sowie dem sog. Venlo-Zwischenfall vom 09.11.1939,wohl damit rechnen hätte müssen, im günstigsten Falle lange Jahre hinter Gitter zuverbringen, wahrscheinlich aber die Todesstrafe zu erwarten gehabt hätte und sich durch seineeidesstattliche Erklärung zu Lasten Deutschlands die Freiheit erkaufte.

5 Gedanken zu “Die Wahrheit über die Gleiwitzer Senderaffäre

  1. Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    https://bewusstscout.wordpress.com/2015/02/10/urteil-aus-dem-istgh-den-haag-vom-03-02-2012-bestatigt-die-zustandigkeit-des-deutschen-reichs/
    „Das Urteil aus dem ISTGH (Internationaler Strafgerichtshof) Den Haag vom 03.02.2012 bestätigt die Zuständigkeit des Deutschen Reichs und nicht die Zuständigkeit der “Bundesrepublik Deutschland“ mit ihrer Finanzagentur GmbH, (HRB 51411), wobei die vermeintlichen “BRD–Ämter”, Behörden, Dienststellen, “Gerichte” und Verwaltungen u.a . bei dnb.com mit eigenen Umsatzsteuernummern gelistet sind.
    Urteil des BverfGE vom 25.07.2012 (-2 BvF 3/11 -2 BvR 2670/11 -2 BvE 9/11):
    Nach Offenkundigkeit dürfen Gesetze von nicht staatlichen BRD-GmbH Ausnahme– und Sondergerichten (vgl. § 15 GVG) die auf altem Nazigesetz fußen und somit gegen das gültige Besatzungsrecht, gegen die Völker – und Menschenrechte verstoßen, überhaupt keine legitime Anwendung finden.
    Durch Verfassungswidrigkeit des Wahlgesetzes ist seit 1956 kein verfassungsgebenden Gesetzgeber am Werk. Damit sind alle BRD-Forderungen eine private Forderung.
    Verstehen Sie das bitte! Alle BRD-Forderungen (Steuern jeglicher Art, GEZ-Gebühren usw. usf. sind private Forderungen, haben also keinerlei hoheitsrechtliche Rechtsgrundlage und müssen demnach auch nicht bezahlt werden. …………………….“

    https://bewusstscout.wordpress.com/2014/12/04/richterinnen-und-beamte-weigern-sich-ihre-urteile-und-beschlusse-personlich-zu-unterschreiben/


    Glück, Auf, meine Heimat!

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