Aussprache unter vier Augen mit der Demokratie – Aufsatz von Dr. Joseph Goebbels (21. März 1939)

Dr. Joseph Goebbels

(Entnommen aus: „Die Zeit ohne Beispiel“ von Dr. Joseph Goebbels, Seite 77 – 83)


Die machtpolitischen Verschiebungen, die im Laufe der vergangenen zwölf Monate in Mitteleuropa vor sich gegangen sind, haben in den west-europäischen Demokratien beträchtliche Unruhe ausgelöst. Wir sind nicht zynisch genug, um uns den Anschein zu geben, als hätten wir dafür kein Verständnis. Aber es wäre uns wesentlich angenehmer, wenn die Demokratie wenigstens soviel Ehrlichkeit aufbrächte, die wahren Gründe ihrer Verstimmung ins Feld zu führen und nicht dauernd mit moraltriefenden Phrasen um sich zu werfen. Das ergäbe zweifellos eine viel klarere und sauberere Basis der internationalen Aussprache, als sie augenblicklich vorbanden zu sein scheint.

So redet man in London und Paris von Gott und meint nach dem bekannten Worte über die Engländer Kattun. Und da wir gerade schon bei den Engländern sind, gestatten wir uns die höfliche Nebenbemerkung, daß sie ja besonders groß und wahrhaft berühmt sind in der Verschleierung ihrer politischen Motive. Doch wirkt das leider auf uns nicht mehr. Wir sind im November 1918 darauf hereingefallen. Aber das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder. Wir haben unsere Leichtgläubigkeit am Ende des Krieges mit einer bitteren Leidenszeit von 1918 bis 1933 sehr teuer bezahlen müssen. Wir befinden uns deshalb heute in der Rolle des gebrannten Kindes, das das Feuer scheut. Es hat deshalb auch gar keinen Zweck mehr, wenn man in London und Paris versucht, um die Dinge herumzureden. Es wäre offenbar viel praktischer und würde den Wert der Diskussion nur fördern können, wenn man dort Begriffe wie Humanität, Zivilisation, internationales Recht und internationales Vertrauen in diesem Zusammenhang endgültig aus der öffentlichen Debatte ausschiede. Denn wir müssen gestehen, daß wir uns eines leichten Lächelns nicht erwehren können, wenn ausgerechnet die englische Presse mit einem geradezu blutigen Ernst diese Begriffe in der Auseinandersetzung zwischen der Demokratie und den autoritären Staaten zur Anwendung zu bringen versucht. Da können wir nur höflich, aber mit Bestimmtheit sagen: Gestatten Sie, daß wir laut und vernehmlich kichern!

Das wirkte vielleicht auf unser bürgerliches Vorkriegsdeutschland, das ja dafür bekannt war, daß es die Phrasen der Demokratie für bitteren Ernst nahm. Es wirkte vielleicht auch noch auf unsere biedermännischen Systemgrößen und parlamentarischen Spießer der Nachkriegszeit. Für uns Nationalsozialisten dagegen hat diese Argumentation vollkommen den Reiz der Neuheit und Originalität verloren. Sie entbehrt jeder Glaubwürdigkeit. Wir bewundern dabei nur noch die geradezu aufreizende Dummdreistigkeit, mit der diese Argumente in der Polemik vorgebracht werden. Wenn die Engländer sich im Verlaufe der mehrhundertjährigen Geschichte der Aufrichtung und Verteidigung ihres Empire in diesen Dingen allmählich ein dickes Fell zugelegt haben, so können wir ihnen zu ihrer Beruhigung versichern, daß wir uns nach unseren neueren Erfahrungen in dieser Beziehung auch nicht mehr zu beklagen brauchen. Es wäre also sehr wohltuend und außerordentlich angenehm, wenn wir wenigstens versuchen wollten, uns gegenseitig nichts mehr vorzumachen. Wir kennen uns doch Wir wollen uns also einmal als ehrliche Männer scharf in die Pupille schauen, und zwar gänzlich ohne frommen Augenaufschlag, und die Dinge endlich, endlich beim Namen nennen.

Was wurde denn in Versailles eigentlich mit Mitteleuropa geplant und versucht? Man hatte Deutschland zu Boden geschlagen, es militärisch entwaffnet und wirtschaftlich ausgeplündert. Man hatte ihm seine Auslandsguthaben und seine Handelsflotte genommen. Seine Kolonien wurden aus seinem Machtbereich herausgebrochen Der Versuch eines Anschlusses Österreichs an das Reich wurde als Anschlag auf die europäische Sicherheit gebrandmarkt, und die Errichtung des mehr als merkwürdigen tschecho-slowakischen Staatsgebildes hatte gar keinen anderen Zweck, als Deutschland den Pfahl mitten ins Fleisch hineinzutreiben und in Böhmen und Mähren ein sehr bequemes und billiges militärisches Aufmarschfeld gegen das Reich zu errichten. Damit glaubte man Deutschland nicht nur endgültig aus dem internationalen Spiel ausgeschaltet, sondern es auch für alle Zukunft mit seinen eigenen Sorgen beschäftigt zu haben. Deutschösterreich sollte als ewiger Zankapfel zwischen dem Reich und der westeuropäischen Demokratie liegen,, und die sogenannte Tschecho-Slowakei habe dabei die Aufgabe, die militärische Einkreisung des Reiches zu sichern und auf eine feste Basis zu stellen.

Das bedeutete nichts anderes als den Versuch einer Konservierung europäischer Spannungen, die dazu angelegt waren, den wenn auch in seiner militärischen Abwehrhaft vollkommen niedergeschlagenen, so doch in seiner Volkskraft immerhin noch bedrohlichen deutschen Riesen, mit sich selbst und seinen eigenen Sorgen zu beschäftigen.

Das war für London außerordentlich praktisch und bequem. Denn England hatte damit freie Hand für den Ausbau und die Verteidigung seines Weltreichs. Es brauchte sich um die Ausbalancierung der Kräfte in Europa kaum noch zu bekümmern, da ja Deutschland infolge der nach Lage der Dinge ständig zunehmenden mitteleuropäischen Spannungen vollkommen aus dem internationalen Kräftespiel ausgeschaltet war. Das Reich hatte den Stachel im eigenen Fleisch sitzen. Es besaß keine strategischen Grenzen mehr, um sich wirksam gegen einen drohenden Überfall zu beschützen. Es konnte somit auch keine Politik betreiben, die seine eigenen Lebensrechte verfocht; denn eine solche Politik wurde von vornherein von London und Paris als Versuch der Störung des europäischen Kräftegewichts angesehen und dementsprechend mit militärischen Maßnahmen bedroht. Das Reich war ein Habenichts und sollte -dafür waren alle diese Vorbereitungen getroffen – auch für die fernere Zukunft ein Habenichts bleiben. Man gab ihm gelegentlich Anleihen und Kredite, um es sich damit endgültig gefügig zu machen.

England fühlte sich diesen rund um Deutschland klug angelegten Spannungen gegenüber als so eine Art von Weltgendarmen und mit Moral gepolstertem Ordnungspolizisten. Es hatte sich daran gewöhnt, bei allen Vorgängen in Mitteleuropa gewissermaßen Betragenszensuren auszustellen, und zwar in umgekehrter Reihenfolge. Gab es in Mitteleuropa Krach, so lautete die Note ‚Sehr Gut‘, schickte Mitteleuropa sich an, einen soliden Frieden vorzubereiten und einzuleiten, so lautete die Londoner Zensurnote ‚Vollkommen Ungenügend‘. Hin und wieder wurde der deutschen Presse gestattet, ein bißchen Theaterlärm zu machen. Die Engländer registrierten das dann mit Schmunzeln und der nun einmal dazugehörende moralintriefenden Entrüstung. Für das Empire aber lautete das Fazit dieser Rechnung, daß London vollkommen beruhigt sein könne: Deutschland ist mit sich selbst beschäftigt, unser ungezogenes Kind in Europa hat wieder sein Spielzeug.

Das ging nun so lange gut, als in Deutschland die Demokratie regierte. Das erfuhr aber eine grundlegende Änderung, als mit der Machtübernahme durch den Führer Ansehen, Stärke und Wehrkraft des Reiches eine beträchtliche Steigerung erfuhren. Damit waren auch die latenten Spannungen in Mitteleuropa aufs neue zur Debatte gestellt. Das Reich hat nun den ernsthaften Versuch unternommen, die von den Vätern des Versailler Vertrages begangenen Sünden nach und nach wiedergutzumachen. Wir nehmen den Engländern und Franzosen nicht übel, daß sie uns dabei nicht geholfen haben. Wir können verstehen, daß sie diesen geschichtlichen Vorgängen gegenüber kein Verständnis aufbringen oder wenigstens so tun, als hießen sie Hase und wüßten von nichts. Aber wir fragen doch voll Bescheidenheit: Was in aller Welt hat das denn eigentlich mit Moral zu tun? Wir wollen doch einander nichts vormachen. England und Frankreich sind durchschaut: Ihr sauberes Plänchen von Versailles liegt zerrissen am Boden. Ihr hinterlistiges Vorhaben der Konservierung der mitteleuropäischen Spannungen ist durchkreuzt. Der Anschluß Österreichs an das Reich, die Lösung der sudetendeutschen Frage und die Errichtung eines deutschen Protektorats über Böhmen und Mähren sind geschichtliche Vorgänge, die sich sehr zur Zufriedenheit aller daran Beteiligten, und zwar erstaunlicherweise ohne jedes Blutvergießen, abgespielt haben.

Nun regt man sich in London und Paris darüber auf, daß die Demokratien nicht vorher gefragt worden sind. Sie sind offenbar nicht gefragt worden, weil man annehmen mußte, daß sie für diese Lösung der mitteleuropäischen Spannungen, die sie ja gerade durch ihre Politik verursacht haben, nur wenig Verständnis aufbringen würden, ganz abgesehen davon, daß die vorangegangene Einigung zwischen Berlin und Prag ihre Konsultation gänzlich überflüssig machte. Daß sie nicht gefragt wurden, ist fürchterlich, aber nun einmal nicht mehr zu ändern. Und nun sind sie wütend: nicht nur wütend, sondern auch betrübt, wie immer die Lohgerber betrübt sind, wenn ihnen die Felle wegschwimmen. Aber es wäre doch sehr fair und anständig, wenn man in London und Paris wenigstens offen erklärte: Das, was sich in Verlauf der letzten zwölf Monate in Mitteleuropa abgespielt hat, ist eine pure Gemeinheit; denn die Folge davon ist, daß die verfluchten Deutschen sich wieder im internationalen Kräftespiel befinden, daß man nun das Reich aufs neue bei allen politischen Berechnungen mit einkalkulieren muß, daß Deutschland offenbar Anstalten trifft, um nicht für jede Zukunft ein Habenichts zu bleiben, daß es seine Existenzansprüche anmeldet, daß es damit London und Paris allmählich auf die Nerven fällt und anfängt lästig zu werden. Wie gesagt, das wäre eine Aussprache unter Männern.

Statt dessen machen sie in Moral, reden von Zivilisation, von gebeugtem Recht und unterdrücktem Volkstum. Wenn die englische Presse von politischer Moral redet, dann ist man immer geneigt, leise zu hüsteln. Die Engländer haben’s nötig! Sie haben während des Krieges über Deutschland eine Blockade verhängt, der Hunderttausende von deutschen Frauen und Kindern zum Opfer gefallen sind. Sie handelten damit nach einem alten, bewährten Prinzip, das sie bereits im Burenkrieg erprobt hatten. In Versailles schlugen sie ein vorher mit gleisnerischen Phrasen entwaffnetes, anständiges und fleißiges Volk rücksichtslos und brutal zu Boden. Was das mit Moral zu tun hatte, ist uns gänzlich unerfindlich. Wenn die Franzosen von Zivilisation reden, so erinnern wir uns jener Negerbataillone, die sie während der Besatzungszeit an den Rhein und an die Ruhr schickten, um erneut der ältesten Kulturvölker des Abendlandes eine Vorstellung von der in Paris gemeinten Zivilisation zu vermitteln. Wenn in London von gebeugtem Recht die Rede ist, so richten sich merkwürdigerweise die Augen von ganz Europa nach Palästina, wo man augenblicklich einen sehr eindringlichen Anschauungsunterricht über den Begriff des gebeugten Rechtes erhalten kann. Man sieht im Geiste in Humanität verpackte englische Bomben auf wehrlose indische Dörfer niedersausen und macht sich so seine eigenen Gedanken über das, was man in London unter gebeugtem Recht versteht. Und gar das angeblich von den Deutschen unterdrückte tschechische Volkstum in Schutz zu nehmen, macht allerdings mehr als ulkig im Munde von Politikern, die in einem englischen Weltreich alle Volkstümer und alle Rassen der Erde zusammengepfercht haben, nicht immer nur mit der Liebe sondern manchmal auch mit Gewalt.

Im übrigen impomieren uns die Engländer als Vertreter ausgerechnet unseres nationalsozialistischen Rasseprinzips nur sehr wenig. Wir wußten auch nicht, daß man in London schon so weit vom Nationalsozialismus infiziert ist, daß man jetzt mit einem Male deutsche Argumente ins Feld führt, um gegen den deutschen Standpunkt zu polemisieren. Wir haben nicht die Absicht, die Tschechen in Böhmen und Mähren ihres Volkstums zu berauben oder sie zu entnationalisieren. Bestände diese Absicht, so täten wir offenbar gut daran, in einigen englischen Dominions und Kolonien den für eine solche Operation notwendigen Anschauungsunterricht zu nehmen.

In London und Paris erklärt man, der militärische Einmarsch in Böhmen und Mähren sei illegitim. Auch die Tour kennen wir. Illegitim war die Militarisierung des Rheinlandes, war die Eroberung Abessiniens, war die Errichtung des unabhängigen Staates Mandschukuo, war die nationale Erhebung Francos gegen die Madrider Bolschewistenherrschaft, war der Anschluß Österreichs an das Reich und selbstverständlich auch der militärische Einmarsch in Böhmen und Mähren. Das sind Illegitimitäten nach dem Wortschatz der reichlich alt gewordenen Demokratie. Aber es waren Maßnahmen zur Wahrung des legitimen Lebensrechtes der davon betroffenen Völker. Im übrigen sind die Illegitimitäten von heute oft die Kinder von morgen. Dieser Vorwurf zieht also bei uns nicht mehr.

Wir fragen deshalb in aller Bescheidenheit: Wozu der Lärm? Was steht den Herren zu Diensten? Wir billigen den Demokratien selbstverständlich das Recht zu, sich, vor den Augen Europas zu blamieren, so gut sie können. Das ist ihre Sache. Wir möchten nur, daß die Debatte in der sie sich mit uns auseinandersetzen versuchen, sauber und klar wird. Wir haben den eindringlichen Wunsch, von Mann zu Mann zu sprechen. Und wenn wir die Wahrheit sagen sollen, so müssen wir schlicht und einfach bekennen, daß das Gerede von Moral und Humanität, das in diesen Tagen spaltenweise durch die englischen Blätter geht, uns allmählich ankotzt. Der Erzbischof von Canterbury ist für uns keine von Gott eingesetzte Instanz zur moralischen Beurteilung der Neuordnung Mitteleuropas; noch viel weniger sind das die ewigen Panikmacher in den Redaktionsstuben der Pariser und Londoner Hetzblätter.

Unsere Moral liegt in unserem Recht. Wer dieses recht unterdrückt, handelt an uns unmoralisch, auch wenn er sein Handeln mit Weihrauch umnebelt und dazu fromme Gebete murmelt. Uns imponiert das nicht mehr. Wir wollen in Europa Klarheit und Gerechtigkeit. Darauf sind wir bereit, den neuen Frieden aufzubauen. Ist der einmal hergestellt, dann haben die politischen Moralpauker das Recht, wieder in die Erscheinung zu treten und die ihnen so geläufigen frommen Sprüche herzubeten.

Darum Schlagen wir für die Auseinandersetzung zwischen den demokratischen und autoritären Staaten vor: Etwas mehr Gerechtigkeitsgefühl und etwas weniger Moralin; etwas mehr an die Zukunft Europas denken und etwas weniger an die Aufrechterhaltung unmöglicher machtpolitischer Zustände, die ewig sich erneuernde Konfliktstoffe in sich bergen; und wenn man von Gott redet, auch an Gott denken, und wenn man Kattun meint, auch Kattun sagen.


Weitere seiner Aufsätze und Reden sind >>>HIER<<< zu finden.


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