Ein paar Worte über politischen Takt – Aufsatz von Dr. Joseph Goebbels (27. April 1939)

Dr. Joseph Goebbels

(Entnommen aus: „Die Zeit ohne Beispiel“ von Dr. Joseph Goebbels, Seite 111 – 116)


Die Engländer haben eine eigene Auffassung von politischem Takt. Sie vertreten diese Auffassung so offenherzig und naiv, daß man annehmen muß, es kommt ihnen gar nicht mehr zu Bewußtsein, wie beleidigend sie damit auf andere Völker wirken. Sie haben es sich in der mehrhundertjährigen Geschichte ihres Empire angewöhnt, den ganzen Erdball als so eine An von englischem Nationaleigentum zu betrachten. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß dieses Nationaleigentum ihnen sozusagen auf Grund einer höheren göttlichen Ordnung anvertraut worden ‚ ist, die sie auch dazu bestimmte, über Ruhe, Ordnung und Frieden in der Welt zu wachen.

Wer sich dem englischen Ruhe-, Ordnungs- und Friedensprinzip nicht fügt, der ist nach britischer Auffassung ein gefährlicher Aufwiegler und Rebell, der unschädlich gemacht werden muß. Denn er gefährdet das „Gleichgewicht“ unter den Völkern, das nach Londons Meinung die Voraussetzung zu Glück und Wohlstand Englands ist. Aus dieser Einstellung heraus resultiert der fundamentalste Grundsatz der englischen Außenpolitik, die balance of power in Europa. Schon dieser Begriff an sich ist bei Licht besehen eine Unverschämtheit; er geht davon aus, daß das Gleichgewicht der Kräfte in Europa ausbalanciert sein müsse, damit England von europäischen Streitigkeiten verschont bleibt, oder doch wenigstens von ihnen profitiert. Denn England hat bekanntlich weder Zeit noch Lust, sich um machtmäßige Auseinandersetzungen auf dem europäischen Kontinent zu
bekümmern, wenn sie nicht in seinem eigenen Interesse liegen. London hat ein Weltreich zu verwalten; und es ist die erklärte Aufgabe der britischen Außenpolitik, dafür zu sorgen, daß England in Ruhe die in diesem Weltreich zusammengehäuften Reichtümer verdauen kann.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß begüterte Leute oft taktlos sind. Besonders gefallen sie sich in ihrer Taktlosigkeit Armen und Bedürftigen gegenüber. Und gerade wenn sie anfangen, jovial zu werden, dann wirken sie erst recht beleidigend. Sie klopfen den Habenichtsen vertraulich auf die Schultern und meinen, damit sei alles in Ordnung. Reiche Leute sind meistens sehr moralisch. Wenigstens tun sie so, als ob sie es wären. Das Schicksal macht es ihnen auch verhältnismäßig leicht, moralisch zu sein, jedenfalls leichter als den Armen. Die Reichen schwärmen für Ruhe und Ordnung, denn sie können dadurch nur gewinnen. Jeden Angriff auf bestehende Eigentumsverhältnisse empfinden sie deshalb als unmoralisch und fassen ihn unter dem Generalbegriff des Bolschewismus zusammen. Und wie das unter den Menschen ist, so ist das auch unter den Völkern.

Es gibt bekanntlich Staaten, die im Überfluß schwelgen, die gar nicht wissen, was sie mit ihren Rohstoff- und Goldvorräten anfangen sollen, und es gibt andere Völker, die kaum das Notwendigste zum Leben besitzen und deren Intelligenz, deren Fleiß und Organisationsgabe allein es zu verdanken ist, daß sie überhaupt existieren können.

Es ist erklärlich, daß sich die besitzlosen Nationen nicht gerade begeistert mit diesem Zustande abfinden. Sie sind deshalb in den Augen der besitzenden Nationen Störenfriede einer geheiligten göttlichen Ordnung, in der den reichen Völkern alle Besitztümer der Welt anvertraut wurden, während die armen Nationen davon ausgeschlossen sind. Es kann deshalb auch nicht wundernehmen, daß die reichen Nationen den armen Völkern vorwerfen, daß sie den Frieden bedrohen. Und es versteht sich am Rande, daß bei diesen
Auseinandersetzungen nicht nur von politischen und wirtschaftlichen Erwägungen die Rede ist, sondern seitens der reichen Nationen oft in einer geradezu aufreizenden Weise die Moral exerziert wird.

In dieser Beziehung zeichnen sich am meisten die Engländer aus. Sie verstanden es immer meisterhaft, besitzlose Völker moralisch ins Unrecht zu setzen. Und da die Engländer unter den Nationen die reichsten sind, sind sie natürlich auch am moralischsten. Sie besitzen ein Empire, dessen Geschichte mehr als fragwürdig ist. Aber schon an diese Geschichte zu erinnern, empfinden sie als taktlos. Sie möchten in ihrer genießerischen Ruhe nicht gestört werden. Sie handeln so wie Fafner, der seinen Gold schätz mit den Worten bewacht: „Ich lieg‘ und besitz‘, laßt mich schlafen!“ Nun behaupten sie, nicht mehr ruhig schlafen zu können. Schuld daran tragen die bösen Deutschen, und das ist die Unverschämtheit. Es ist deshalb mehr als verständlich, daß gerade die Engländer den Aufstieg Deutschlands als außerordentlich lästig empfinden. Er ist für sie ein ständiger Appell an ihr schlechtes Gewissen. Solange Deutschland ohnmächtig war, konnte das für London nicht viel bedeuten. Heute dagegen ist Deutschland eine Großmacht; und da England gegen die von Deutschland mit dem unanfechtbarsten moralischen Recht erhobenen Lebensansprüche im Ernst gar nichts Stichhaltiges anzuführen hat, verlegt es sich darauf, hemmungslos zu schimpfen.

Plötzlich werden die englischen Gazetten maßlos ordinär; sie, die sich sonst soviel darauf zugute hielten, daß sie politische Kämpfe mit höchster Fairneß auszutragen pflegten, haben nun mit einem Male ihre ganze gute Erziehung vergessen und krakeelen wie die Marktweiber. Sie können es Deutschland nicht verzeihen, daß es den Zustand der Ohnmacht aus eigener Kraft überwunden hat. Immer noch versuchen sie, uns so zu behandeln, wie sie das früher in Zeiten des deutschen Niederganges straflos tun konnten. Und wenn auch die regierenden Kreise in London den Anschein zu erwecken versuchen, als wenn sie sich in dieser Beziehung zuweilen eine gewisse Mäßigung auferlegten, so schimpfen ihre Zeitungen nach ihrem Kommando um so gemeiner. Die Engländer haben sich auch eine eigene Auffassung über den Begriff der Pressefreiheit zurechtgelegt. Diese ist ebenso naiv wie dummdreist und typisch britisch. Sie argumentieren etwa so:

In Deutschland gibt es Gesetze, die der Presse verbieten, beleidigend zu werden. Die deutsche Regierung hat also Möglichkeiten, auf die Presse einzuwirken; ergo muß die deutsche Presse sich vor allem London gegenüber eines außerordentlich anständigen und loyalen Benehmens befleißigen. Insbesondere darf sie sich nicht in innerenglische Angelegenheiten hineinmischen. In England dagegen herrscht die Demokratie. Eines der Grundgesetze der Demokratie ist die, Freiheit der Presse. Da die englische Presse frei ist, besitzt die englische Regierung keine Einwirkungsmöglichkeiten auf sie. Deshalb hat die englische Presse den Vorzug, über alles schimpfen zu dürfen, was ihr unter die Feder kommt: mehr noch, es ist geradezu ihr souveränes Vorrecht, sich in jede innerdeutsche Angelegenheit hineinzumischen, hohen und höchsten Stellen in der deutschen Staatsführung unerbetene und gänzlich taktlose Ratschläge zu erteilen und sich sozusagen als moralischer Splitterrichter über Deutschland, sein Volk und sein Regime aufzuspielen.

Das kommt in diesen Tagen wiederum sehr drastisch zum Ausdruck bei Gelegenheit der Rückkehr des englischen Botschafters Henderson nach Berlin. Es ist das erklärlicherweise der natürlichste Vorgang, den man sich denken kann. Selbst der englische Ministerpräsident Chamberlain hat auf eine diesbezügliche Anfrage im Unterhaus geantwortet, er könne sofort erklären, „daß der Rückkehr Sir Nevile Hendersons keinerlei besondere Bedeutung beizumessen sei. Er sei ganz normal zurückgegangen“. Was aber macht die englische Presse daraus? Kehren wir einmal den Sachverhalt um und formulieren wir die Überschriften der maßgebenden englischen Blätter bei dieser Gelegenheit so, als wären die deutschen Zeitungen mit einem ähnlichen Vorgang, der England betreffe, befaßt, und es wird einem die ganze dreiste Unverschämtheit des Vorgehens der englischen Presse klar. Etwa: Der „Völkische Beobachter“ schreibt, daß der deutsche Botschafter in London mit einem Sonderauftrag nach London entsandt worden sei. London müsse das in Frage stehende Angebot annehmen und sofortige Beweise seines Friedenswillens liefern. Oder: Der deutsche Botschafter solle den englischen König warnen. Oder: Der deutsche Botschafter werde dem englischen Außenminister erklären, daß Deutschland eine radikale Politik einschlagen werde, solange es keine beruhigenden Versicherungen und Schritte von Seiten Englands gebe. Deutschland müsse ausreichende Beweise für einen völligen Umschwung in der Politik Englands haben. Derartige Beweise seien die Zurückziehung der englischen Mannschaften, sagen wir aus Palästina, Einstellung der englischen Pressekampagne gegen Deutschland und einschneidende Maßnahmen der englischen Abrüstung. Oder: Der deutsche Botschafter werde bei der britischen Regierung vorstellig werden, um drastischen Einfluß auf die bevorstehende Erklärung Chamberlains vor dem Unterhaus auszuüben.

Man wird zugeben müssen, daß, wenn die deutsche Presse es wagen würde, London gegenüber einen solchen Ton anzuschlagen, die englische öffentliche Meinung wahrscheinlich in Siedewut versetzt würde. Und das mit Recht. Denn ein solches Verfahren ist unter Großmächten nicht üblich. Es ist taktlos, dummdreist und un- verschämt, und wenn es von London gegen uns angewandt wird, entspricht es außerdem in keiner Weise den gegenwärtigen Machtverhältnissen zwischen Deutschland und England. Trotzdem schreibt die englische Presse so. Und deshalb müssen wir ihr auf die Finger klopfen. Die Engländer haben sich nun allmählich daran zu gewöhnen, daß, was für sie recht, für uns billig ist. Deutschland ist in keiner Weise mehr geneigt, sich von London aus eine Behandlung
gefallen zu lassen, die London, würde sie von Deutschland England gegenüber versucht werden, mit Recht voll Empörung zurückweisen würde. Es erübrigt sich, auf diese frechen und taktlosen Unter- stellungen der englischen Presse einzugehen. Sie sind zu dumm und zu absurd, als daß sie überhaupt einer Widerlegung bedürfen. Wir erwähnen sie auch nicht, um uns mit der englischen Presse aus- einanderzusetzen. Wir haben längst die Lust dazu verloren. Es hat keinen Zweck, sich mit Meinungen polemisch zu messen, die keinerlei Substanz aufweisen und lediglich auf Großsprecherei beruhen, hinter der kein klarer Wille steht.

Wir führen das nur an, um der englischen öffentlichen Meinung vor allem eines klarzumachen: Die Engländer sagen oft in ihrer Aus- einandersetzung mit Deutschland, daß mit uns nicht zu reden sei. Sie haben recht, wenn sie glauben, uns gegenüber einen solchen Ton anschlagen zu können. Denn Deutschland ist kein englisches Pro- tektoratsgebiet, und die Engländer täten gut daran, mit uns zu verkehren, wie man im allgemeinen mit einer Großmacht zu verkehren pflegt. Wenn man unseren nationalen Stolz verletzt, so zeigen wir die kalte Schulter. Wir waren immer zugänglich für jede sachliche Auseinandersetzung; aber wer sich mit uns polemisch messen will, hat sich gefälligst eines höflichen Tones zu befleißigen. Die englische Presse wäre also gut beraten, wenn sie in ihren Unterhaltungen mit Deutschland weniger den Versailler Vertrag und mehr Knigges Umgang mit Menschen zum Leitfaden dieser Polemiken mit uns machte. Wir sind nicht streitsüchtig. Wir wollen unser Recht; und zwar gründet sich dieser Anspruch auf unser Recht auf sehr sachliche und durch- schlagende Argumente. Aber wo man uns dumm kommt, da setzen wir nach guter, alter deutscher Sitte auf einen groben Klotz einen groben Keil.


Weitere seiner Aufsätze und Reden sind >>>HIER<<< zu finden.


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